30.06.2005

13 Jahre im Wachkoma


Wir mussten vor kurzem die Mitteilung aus Wolfsburg zur Kenntnis nehmen, dass Krzysztof Nowak an seiner Erkrankung an Amyothrophen Lateralsklerose (ALS) verstorben ist. Die Bestürzung war bundesweit. Weit weniger bekannt ist, dass in Oldenburg seit über 13 Jahren ein Fußballer im Wachkoma liegt. Diese Tragödie hat gerade vor dem Hintergrund des Todes der amerikanischen Wachkoma-Patientin Terri Schiavo eine besondere Bedeutung.

Jerzy Hawrylewicz wurde kurz vor Weihnachten 1958 in Stettin geboren und errang mit dem Club Pogon in seiner Heimatstadt 1985 die polnische Vizemeisterschaft. Seit 1988 spielte er in Oldenburg, stieg mit dem VfB in die 2.Liga auf.

Am 20.April 1992 kickte Hawrylewicz mit der 2.Mannschaft des VfB beim HSC Hannover. Er hatte sich reamateurisieren lassen, um einen Platz für den VfB-Torjäger Drulak freizumachen. Nur so konnte er überhaupt auch in der Landesliga antreten. Kurz vor der Halbzeit brach Hawrylewicz zusammen. Der 33-jährige wurde durch seinen Trainer Klaus-Peter Nemet reanimiert. "Puls und Herzschlag waren weg. Ich habe dann Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage gemacht", schilderte Nemet die Ereignisse. Seine Soforthilfe schlägt an. Der Pole hatte einen Herzinfarkt erlitten. So wie beispielsweise beim letzten Confederations-Cup der Kameruner Marc-Vivien Foe. Nur dass Hawrylewicz überlebte.

Aber wie ? Seit nunmehr 13 Jahren nimmt Jerzy an dem Familienleben teil, an dem er doch wieder nicht teilnehmen kann. Seine Frau Ewa, Krankenschwester, und die Kinder sowie Angehörige kümmern sich und pflegen den Patienten. Durch vielfältige Hilfe, durch Spenden und besonders das Engagement aus dem Kreis der Sportler, hier besonders Bayern München und Dariusz Michalczewski kamen erhebliche Gelder zusammen. Das Haus in der Nähe von Oldenburg konnte patientengerecht umgebaut werden. Krankengymnastin und Logopädin helfen bei den Anstrengungen, den früheren Star möglicherweise auf eine Zeit nach dem Wachkoma vorzubereiten. Die Ernährung findet, ähnlich wie bei Terri Schiavo, über eine spezielle Magensonde statt.

Auch wenn böse Zungen behaupten, dass Jerzy Hawrylewicz als Sportler nie soviel Geld hätte verdienen können, wie er als Kranker zur Verfügung gestellt bekommen hat, so ist dieses Leben sicher schrecklich.

Ich wollte im Zusammenhang mit Nowak nur daran erinnern, dass es nicht nur einen Spitzensportler gab, den eine grausame Krankheit um ein lebenswertes Leben brachte oder noch bringt. Und daran, dass es uns im Gegensatz dazu, auch wenn sich mal wieder die Eintrittspreise erhöhen oder gerade mal ein (gesunder) Spieler zu Bayern wechselt, doch ausgesprochen gut geht. Wir leben - bewusst und ohne größere körperliche Einschränkungen ! Und dafür bin ich ausgesprochen dankbar.

P.S.: Der 20. April 1992 fiel auf Ostermontag. Der nach christlicher Tradition als Familienfest gefeiert wird. Hawrylewicz ist nach wie vor im Kreise seiner Familie. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja eines tages auch einen Ostersonntag für ihn - eine Auferstehung.

Hornsby






-zurück-