24.09.2004

Da ist ein Haken dran ...


... musste ein gewisser Ditmar Jacobs schmerzhaft erfahren. Es ist jetzt genau 15 Jahre her, dass unser ruhmreicher SV Werder am 20.September 1989 beim genauso ruhmlosen Verein aus der Vorstadt von Pinneberg antreten musste. Es ist ein Mittwoch und noch nicht mal 15000 Zuschauer wollen dieses Nordderby sehen. Es steht unter Leitung von Schiedsrichter Wolfgang Mierswa noch 0:0. In der 14. Minute köpft Wynton Rufer auf das Tor der Stellinger. Es hätte das 1:0 für den Stolz des Nordens sein können, wen, ja wenn nicht der ehemalige Nationalspieler Ditmar Jakobs als Libero in den Ball springt. Der Ball wird noch aus dem Tor geschlagen, Jakobs hingegen fällt ins Tornetz. Und in einen Karabinerhaken, mit dem dieses Netz im Boden befestigt ist.

Endlose Minuten brauchen Sanitäter und Ärzte, um Jakobs vom Haken zu befreien, der sich tief in seinen Rücken gebohrt hat. Erst dann kann ein gewisser Ralph Jester für Jakobs eingewechselt werden. Es soll sein einziger Einsatz in der Bundesliga bleiben. Und es sollte auch das letzte von 493 Bundesligaspielen für den Vizeweltmeister von 1986 bleiben, der über RWO, TeBe und den MSV Duisburg 1979 an der Elbe gelandet war.

Immerhin, seinen Verein rettete er durch diese Heldentat vor dem Rückstand - am Ende stand es 4:0 für die Force of Darkness aus Süddänemark. Doch alle Zuschauer standen unter dem Schock dessen, was sie dort live miterleben mussten.

Wie gesagt, 15 Jahre ist das nun her. Nach vielen vergeblichen Anläufen und Hoffnungen musste Jakobs seine Karriere als Invalide beenden. Die Schmerzen verfolgen ihn heute noch zeitweise. Nach der Karriere baute Jakobs ein piekfeines Reha-Zentrum in Altona mit auf. In den letzten Jahren ist er aber mehr durch die Teilnahme an karitativen Golf-Turnieren und bei einer 20-Jahres-Kneipenfeier aufgefallen. An der nahm sogar solch besondere Elbprominenz wie R.Barnabas Schill teil. "Gute Freunde kann niemand trennen", trällerte einst der Kaiser.

Getrennt haben sich seit diesem Vorfall die Wege der alten Nordrivalen. In 11 von 15 Spielzeiten landete Werder vor dem Club von der Müllverbrennungsanlage. Im gleichen Zeitraum gewannen wir 2 x den Meistertitel und holten 4 x den DFB-Pokal. Und Stellingen ? Richtig ! NIX ! Ganz und gar nix !!! Naja, nicht ganz, immerhin steht für 2003 der Gewinn des Liga-Cups im Briefkopf !! Wobei Werder auch noch 2 x den Supercup gewann, je 1 x Vizemeister und Pokalfinalist war.

Also wenn man es genau betrachtet, hält die Talfahrt der ruhmlosen Uwe-Seeler-ist-unsere-einzige-Tradition-self jetzt seit 15 Jahren an. Ungefähr seit dem 10.Spieltag am 20.September 1989.

Und deshalb, lieber Ditmar Jakobs, sind wir über Dein damaliges Leiden vielleicht ein wenig erschüttert - für die Folgen für die Pest von der Bille aber, dafür sind wir Dir auch nach 15 Jahren noch sehr, sehr dankbar !

Hornsby







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